Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Soulmates

Sie lehnt sich auf ihrer Sonnenliege zurück und kuschelt sich tief in ihre Decke. Februar ist definitiv keine Zeit für Liegestühle, denkt sie und angelt nach der Whiskyflasche. Wie hatte eine Freundin neulich so schön zitiert: "You cannot break up with a soulmate." Oh, doch, you can... Sie setzt die Flasche an die Lippen und zählt die Anzahl der Schlucke, die sie trinkt. Bei fünf setzt sie ab. Das geht sogar ganz leicht. Sie rümpft die Nase und schließt die Augen. ...Und es fühlt sich beschissen an.

Sie erinnert sich an dich wie an eine, für die sie zweifellos hätte sterben wollen. Du bist immer für sie dagewesen, du warst ihr Lächeln in einer Zeit, in der es nicht viel zu lachen gab. Du warst in Zeiten tiefster Dunkelheit ihr Glück und ihre Zuversicht und sie wäre heute mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr da, hätte es dich nicht gegeben. Und sie? Sie kaufte dir weiße Rosen und trug dir Geheimnisse zu, von denen sie meinte, dass du sie wissen solltest. Sie hielt dich, wenn du weintest und ließ dich ihr nahe sein, wie sie es niemandem sonst erlaubte. Du warst für sie das Wertvollste und Schönste, das das Leben imstande war hervorzubringen. Sie liebte dich so innig und wahnsinnig, wie Liebe platonisch zu lieben vermag.

Die Zeit verging und sie wurde erwachsen. Gefühle und Denken veränderten sich und Probleme, die überforderten, kamen auf. Sie gab sich Mühe, für alle Seiten angemessene Entscheidungen zu treffen. Etwas, worin sie in deinen Augen grandios versagte. Ein Fehler, für den du sie noch heute bezahlen lässt. Wieso sind Menschen, wenn es um die Vergeltung persönlich empfundener Kränkungen geht, so erpicht darauf Schmerz zu verursachen? Und zu empfinden? Wieso können sie nicht vergeben? Irgendwann wenigstens? Irgendwann, wenn der Schmerz nachlässt? Menschen machen Fehler und laden hin und wieder durch das, was sie tun, ungewollt Schuld auf sich. So ist das Leben. Keiner ist davor gefeit. Auch du warst es nicht. Und du hast Vieles falsch gemacht: Du hast sie verraten, du hast sie verletzt und es gäbe x Gründe für sie dich zu hassen. Aber sie tut es nicht, sie vergibt dir: jeden deiner Fehler, jede deiner Kränkungen und alle Verletzungen ihres Stolzes. Weil ihr nie eine wie du am Herzen lag. Leider vermagst du das nicht.

Sie setzt die Flasche erneut an und drückt zum xten Mal den Replay-Button eures gemeinsamen Lieblingssongs. Das mit dir, weiß sie, ist Vergangenheit und es gibt nichts, was sie zurückbringt. Trotzdem weint sie. Sie weint immer an Abenden wie diesen, weil dies ein Schmerz ist, der nie aufhört.


© Katja Herrmann (Februar 2017)

 

 

 

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