Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Am Anfang wird Schweigen

Grat für Grat in uns
Stecken.
Bleiben.

Nur bedeutet das Wissen darum noch lange nicht, etwas dazu gelernt hätten. Ein Kreislauf, in dem wir immer dasselbe falsch machen und so jede verdammte neue Situation zu einem Abbild bereits Dagewesenen werden lassen. Uns im Kreise drehen, schreiend anfangs und später in Stille, weil es immer wieder so sein wird, wie es ist und wir irgendwann erbrechen könnten, allein beim Gedanken daran, beim nächstem Mal wieder von vorn anfangen zu dürfen, zu müssen. Nichts, was zu sagen bleibt, das nicht schon hundertmal überflüssig gesagt worden wäre.

Du bist ein Von-Vorn.

Das Streicheln deines Blickes meiner Haut lässt mich nach der Flasche greifen, die – bei Licht betrachtet – mein bester Freund ist. Immer da, nie beleidigt, ohne Befindlichkeiten, allzeit bereit mich vom Unmut über fremde - und vor allem eigene - Unzulänglichkeiten zu befreien. Kein nutzloses Gelaber, gekrönt von guten Vorsätzen, die sich schon morgen wieder im Nebel erlösenden Vergessens verlieren.

Ich halte dich nicht aus, warte darauf, dass du gehst, überlege, ob ich dich nicht verletzen sollte mit ein paar Worten, kleinen, spitzen, die mir schneller meine Freiheit geben würden, als du dich anziehen und verschwinden kannst. Geh doch, geh (aber lass den Whisky da und das Gras, damit ich von Gestern träumen kann, von irgendwem, vielleicht von dir - Vorher), dass ich auf dich pfeife, hast du immer gewusst und ich habe nie versucht, Interesse vorzutäuschen.

Dass du trotzdem noch da bist, hast du nur dem Umstand zu verdanken, dass ich heute zu müde bin, dich rauszuschmeißen.


© Katja Herrmann (2008)

 

 

 

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