Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Schwarzwasser


"Komm, lass uns gehen...", sagst du und da ist es wieder, das Blitzen in deinen Augen, in dem sich Nacht gewandet müht mir zu gefallen. Also laufen wir zum Fluss hinunter, die steile Böschung jenseits der Gleise hinab. Hand in Hand, einander haltend wie Kinder, denen das Dunkel einzige Zuflucht ist, furchtsam blasse Gesichter beschweigend.

Es fahren keine Züge, nachts, wenn wir uns finden.

Für einen flüchtigen Moment gelingt es mir, einen Blick zurück zu erhaschen auf morgenhelles Leuchten und Sonnenperlen, die sich von kühlem Nass geküsst gen Himmel heben. Flügelschlagend, hunderttausendfach, von Sommergelb getragen.

Durch das Dickicht fedrigen Tanns aber schimmert bald teerfarben, was uns herbeisehnt und dein tonloses Lachen zieht mich in eine Stille, die sich verzehrend um uns windet. Die vernehmlich singt von einem Traum, aus dem wir nicht erwachen. Die zieht und zerrt mit zähem Griff und immerzu verspricht, verspricht... Und so verweile ich an deiner Haut, die wieder warm und samtig weich die meine sich zu eigen macht. An Lippen, welche heilen und ein verheißungsvolles "Bleib!" in meine zeichnen.

Allein der Weg zurück ist laut und steiler ohne dich von Mal zu Mal; ein stetes Summen treibt zur Eile. Schwillt an, wächst über sich hinaus und gipfelt in einem betäubendem Zirren nahe der Gleise, wo es sich jäh an hellem Holz - schmucklos gekreuzt - verliert.

Noch einmal tränkt dein Duft die Zeit: "Komm, lass uns gehen... Liebste."


© Katja Herrmann (2007)

 

 

 

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