Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Puppets

 

Ich habe sie aus ihrem Schlaf gerissen, in welchem sie, engelsgleich, schlummerten. Ich schlug, obwohl sie mich warnten und abermals warnten, die Töne, die sie weckten, an. Es war nicht so, dass ich wirklich wusste, was geschehen würde, wenn ich sie aufweckte, aber ich tat es.

 

Es hat sie schon immer gegeben. Und obwohl das kein Fakt ist und ich es nicht genau weiß, weiß es mein Gefühl: Schön, manipulativ, verderbend. Wie hatte ich nur annehmen können, dass sich dies, während ihres Schlafes, ihrer langen Ruhezeit geändert hätte? Aber offenbar sind es Menschen wie ich, die sie rufen ohne zu wissen, was sie damit bewirken.

 

Sie singen im Hellen Lieder, die dem Dunkel angehören. Sie sprechen Formeln, die niemals über menschliche Lippen gehen sollten:

 

"KeTuNe in semple devalitum expedite avalon..."

"KeNeTe com et te sum ub que te..."

"An undique, que me tadique, se dite un quere..."

 

Ich war vielleicht vier Jahre alt, als ich meine Mutter zum ersten Mal jene Beschwörungen sagen hörte. Eine Sprache, die keine Übersetzung hat, deren Bedeutung sich einem jedoch in einem manifestiert wie ein Brandmark auf heller Haut.

 

Im Folgenden zerfiel meine Welt in Dunkelheit und das Leben derer, die ich berührte, zu Staub. Was immer ich tat, wen ich auch anrief – alles und jedes wandelte sich und erstrahlte in einem perfiden, dunklen Glanze nicht von dieser Welt.

 

Sie sagen, ich sei die Frau mit den schwarzen Augen. Die Wahrheit jedoch ist: Ich bin niemand für irgendwen.

 

 

© Katja Herrmann (März 2017)

 

 

 

 

 

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