Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Nachtgespenster

 

Wenn die Sonne unter gegangen ist, verbleiben schwarze Silhouetten auf grauem Grund. Umrisse, schnell verwandelt bis zur Unkenntlichkeit.

 

Wo sind die Farben hin, könnte ich dich fragen, aber ich frage nicht. Worte, die nur noch Worte sind, ohne Klang, verbleiben besser im Limbus wortgewollter Totgeburten.

 

Nacht. Immer nur Nacht. Und der Tag verrinnt so schnell und mit ihm seine Farben, möchte ich sagen. Dass es mir weh tut, so weh, dass ich schreien möchte und um mich schlagen, ob meiner Unfähigkeit die Zeit anzuhalten, die Nacht daran zu hindern, den Tag zu betrügen, und uns wieder und wieder zu Zuschauern zu machen. Oder zu Akteuren. Es spielt keine Rolle, welchen Part wir einnehmen, wir finden uns immer in Nacht wieder, in Dunkelheit.

 

Fragtest du mich also, woran ich leide, ich könnte es schwerlich benennen. Würde dich nur anschauen auf der verzweifelten Suche nach dem Blau deiner Augen, das ich nicht finde. Seit Monaten nicht wieder finde. Wie die Farbe deiner Lippen, die ich zu küssen so liebte.

 

 

© Katja Herrmann (Juni 2013)

 

 

 

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