Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Precious Things

 

Weißt du noch, der kleine Vogel im Garten bei der Johanna Statue? Dornen, Efeuranken und von irgendwoher die Töne von Chopins Noctune Nummer 20... Weißt du noch, Rotwein am Meer und dieses Gefühl, von dem wir dachten, es sei für immer? 

 

Ich wünsche mir immer noch, dass du plötzlich in der Tür stehst, mich anlachst und wir wie früher ins Kino gehen und danach schwarzroten Wein trinken und reden bis in die Nacht. Ich vermisse dein Lächeln und wie du mich anschautest, wenn du glücklich warst. Ich vermisse es für dich da zu sein, wenn du es nicht warst und wie aufgehoben ich mich bei dir fühlte, wenn ich befürchtete, dass der Himmel über mir zusammenstürzt. Ich vermisse das, ich vermisse so vieles mit dir... Ich wünschte, wir hätten bestimmte Fehler nicht gemacht und würde viel dafür geben Verletzungen ungeschehen zu machen. Ich wünschte, dass das Schicksal uns gewogener gewesen wäre und wir ein bisschen weiser über Wunden, die die Zeit nicht heilt.

 

Während ich der Musik lausche und an die Schatten der Vergangenheit denke,  fällt mein Blick auf den alten Messingkerzenleuchter, den du mir einst schenktest. "Was willst du?", fragtest du damals, "was willst du vom Leben und wer willst du sein?" Ich habe geschwiegen und glaube, erst heute, 20 Jahre später, kann ich antworten:

 

Ich möchte eine dieser Katzenladys sein, die in einer alten, von Wein überwucherten Villa wohnen. Ich möchte den ganzen Tag schreiben und Klavier spielen in meinem wilden, verwunschenen Garten, von Zeit zu Zeit Künstler einladen, Whisky trinken und zur melancholisch schönen Musik alter Platten und verzaubernd duftenden Räucherstäbchen meinen Gedanken nachhängen - untermalt vom Rauschen des Meeres und dem lauter werdenden Zirpen der Grillen bei Einbruch der Dunkelheit. Gücklich, mich selbst spürend, mich mit jeder Faser meines Selbst gut und richtig fühlend und niemanden brauchen, weil ich mir selbst genug bin. Pures Lebensgefühl, keine Probleme, kein Leid und mit der Vergangenheit versöhnt, eingebettet in eine Liebe, die frei ist, wunderbar und echt. So und niemals wieder anders.

 

Weißt du noch, die Vögel im Garten bei der Johanna Statue? Dornen, Efeuranken und die Töne von Chopins Noctune Nummer 20... Weißt du noch, Rotwein am Meer und ein Gefühl, von dem wir dachten, es sei für immer? 

 

Ich habe es wiedergefunden, nicht weit von mir und es fühlt sich großartig an: Es füllt mich aus und nichts, gar nichts, tut mehr weh.

 

 

© Katja Herrmann (August 2020)

 

 

 

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