Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Innocence

Manchmal ist mein Schmerz über deinen Verlust so groß, dass ich nicht atmen kann. Dann schließe ich die Augen und stelle dich mir vor: wie du wohl heute aussiehst, wie du bist und wie es wäre, würdest du mich noch einmal in deine Arme schließen und küssen wie damals, als ich noch ein Mädchen war - unwissend die letzten Tage meiner Unschuld in den Händen zu halten. Unwissend das Kostbarste in meinem Leben genauso vergänglich vorzufinden wie wie alles andere.... Wenn ich Glück habe, schlafe ich ein und erinnere mich am nächsten Morgen nicht an meinen Kummer. Meist jedoch haftet das Gefühl dich für immer verloren zu haben wie ein schwarzer Schatten tage- und nächtelang allem an, was ich tue.

Weißt du noch, wie das damals war zwischen uns?
Deine Wimpern warfen lange Schwatten auf meine Wangen
und das Rot deiner Lippen vermischte sich mit dem meinen.
Ohne dich wäre ich untergegangen.
Ohne dich gäbe es mich nicht. Nicht mehr.
Erinnerst du dich?

Weißt du noch, wie es damals war?
Ich habe dich gehalten und deine Tränen getrocknet,
während meine Wimpern lange Schatten auf deine Wangen warfen
und das Rot meiner Lippen sich mit dem deinen vermischte.
Und meine Hände waren kalt, so kalt...
Erinnerst du dich?

Manchmal schreibe ich deinen Namen an beschlagene Fensterscheiben und male Blüten weißer Lilien um ihn herum. Dann nehme ich mir vor deine Fotos herauszusuchen und sie anzuschauen ohne an dir zu verzweifeln. Wie gesagt, ich nehme es mir vor.


© Katja Herrmann (Januar 2017)

 

 

 

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