Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

In Endlichkeit

 

Ein merkwürdiges Spiel, das wir da spielten und das uns immer schon bestimmte. Jenes ungefüttert gebliebener Jungen, die das unheimische Nest irgendwann verlassen, zornig und stolz und durch eine Andersartigkeit gezeichnet, deren Dunkelheit alle Blicke auf sich, alles an sich zieht. Die fressen und erbrechen im selben Augenblick, egal ob Liebe oder Hass, ob Freude oder Leid ihr Mahl, weil ihnen das Sattsein fremd ist. So waren wir, ich mehr als du vielleicht, ein Zuviel und Zuwenig von allem.

 

Und doch
legten wir unsere Kinder gemeinsam schlafen.
Jede Nacht.
Träumten wir ihnen dieselben Lichter unter die Lider
gegen die Finsternis.
Wärmten wir unsere Hände am Feuer der Versuchung,
Wunden verneinend,
auf dem Fundament sich entwindender Gemeinsamkeit.

 

Und doch
sprachen wir mit denselben Schatten.
Verliehen ihnen Farbe und Form,
störte uns ihre unergründbare Tiefe nicht.
Mich weniger als dich,
ein Unterschied, den du auszugleichen wusstest
in schlaflosen Nächten,
von deren Leiden ich nichts wusste.

 

Schwören hätten wir mögen. Vor Jahren sowieso, auch vor ein paar Monaten noch. Liebe und Treue in einem Maß an Unendlichkeit, das jede Vorstellung sprengt. Heute aber finden wir uns nicht. Bezweifeln, einander je vertrauter gewesen zu sein, als die Vorstellung vom jeweils anderen; halbgeteilte Erinnerungen über den Rand alles Farbigen schiebend, voller Erwartungen, die wir einander nicht erfüllten.

 

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So wirft Zeit Staub auf die Geschichte und wir sind nicht gemacht ihn zu bewegen.

 

 

© Katja Herrmann (2008)

 

 

 

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