Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Glück

 

Ich möchte ein Haus kaufen. Mit dir. Eine kleine, alte Villa, die an eine frühere Zeit erinnert. Säulen mit wunderschönen Kompositenkapitellen auf der Veranda tragen den Balkon im ersten Obergeschoss. Das Haus verfügt über einen großen Garten, in dem das Gras kniehoch steht und riesige, alte Rosenbüsche wurzeln. Überall. Im Sommer blühen sie weiß und rot. Das Rauschen des Windes fängt sich in den Wipfeln hoher, das Grundstück umgebender, Bäume.

 

Morgens, nachdem ich mein Töchterchen zur Schule geschickt habe, werde ich nach einer wilden Kissenschlacht mit dir leidenschaftlichen Sex haben. Im Bett, auf dem Fußboden oder auf dem Rasen vorm Haus. Danach möchte ich mit dir frühstücken und Sekt trinken - und bitteschön IMMER vor neun Uhr. Wenn du dann zur Arbeit gegangen bist oder in dein Arbeitszimmer, werde ich stundenlang schreiben, ganz ich sein, immer neue Welten aufs Papier zaubern und versuchen, mich mit jedem neuen Roman selbst zu übertreffen.

 

Am späten Nachmittag werde ich mit meiner Tochter, die von Freunden heimkommt, auf der Wiese liegen und Wolkentiere bestimmen, die wir später mit Aquarellfarben auf Papier malen. Du spielst Klavier und ich schaue dir heimlich dabei zu. Du bist die tollste und aufregendste Frau der Welt für mich, weil du schön bist und unglaublich sexy. Weil du Verstand hast und man mit dir so schön träumen und das Leben genießen kann. Weil du so herrlich unkompliziert und immer du selbst bist. Am frühen Abend koche ich Rosmarienhähnchen oder Straußenfilets in Rotwein und Koriander. Wir trinken Wein und lesen einander im Wechsel vor. Vampir- und Liebesgeschichten. Im Hintergrund amerikanischer Swing…

 

Dann schreibe ich wieder. Manchmal bis in den Morgen. Oder ich wecke dich auf, wenn ich spät ins Bett komme, lasse meine warmen Hände in deinen Slip gleiten und sorge dafür, dass auch du die ganze Nacht nicht schläfst. Du, nach Jahren und Jahren immer noch derselbe Mensch ist, dessen Gesichtszüge ich nachts im Mondlicht ewig anschauen möchte. Dem ich hundert Gedichte schreiben könnte, es aber nicht tue, um nicht den Zauber, der uns behütet durch Wortwerdung zu mindern. Den ich jeden Tag tausendmal liebe und es doch selten nur sagen werde.


Oder wir gehen aus, tanzen bis z, feiern, trinkum nächsten Tag und schlafen erschöpft miteinander ein.

 

Und jedes Morgen…
wird wie Heute sein.


© Katja Herrmann (2011)

 


 

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