Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Frozen

 

Ich traf dich an einem kalten Winterabend. Die Temperaturen gingen gegen Null und jeder Atemzug malte weiße Gebilde vor meine Lippen. Wir waren auf ein Glas Wein bei meinem Lieblingsitaliener verabredet. Ich kam einige Mintuen später an als du und unter allen Anwesenden, zwischen all den Gästen, und obwohl ich dich noch nie vorher persönlich getroffen hatte, erkannte ich dich sofort.

 

Ich ging zu dir hinüber und du erhobst dich. Elegant und schön, wie nicht von dieser Welt. Du reichtest mir deine Hand, die angenehm warm war und lächeltest. Das ist etwas, das ich nie vergessen werde: Die Art, wie du lachtest und wie deine Augen dabei strahlten. Du hast so glücklich ausgesehen in diesem Moment. Und ich - freute mich einfach, dass du gekommen warst – gleich, wie die Umstände unserer Bekanntschaft waren.

 

Irgendwann, gegen 1 Uhr morgens, verließen wir das Lokal. Wir fuhren zu mir und ich bot dir an auf meiner Couch zu übernachten, was du dankend annahmst. Nur, dass du nicht auf meiner Couch schliefst, sondern, sobald ich in meinem Bett lag, an meine Zimmertür klopftest. Nahezu lautlos schlüptest du unter meine Decke und kuscheltest dich an mich. Und obwohl ich mich genauso zu dir hingezogen fühlte, wie du dich zu mir, haben wir in jener Nacht nicht miteinander geschlafen. Wir haben einfach dagelegen, uns festgehalten und dem Atmen des jeweils anderen gelauscht.

 

Am Morgen danach ging jede von uns ihrer Wege. Keinen Sex zu haben, machte das Ganze einfacher. War es nicht so? Schließlich passte das mit uns ohnehin nicht – aus tausendundeinem Grund.

 

Manchmal, wenn es so kalt ist, dass mir der Atem auf den Lippen gefriert, denke ich an dich. Ich frage mich, was wohl gewesen wäre, hätten wir den Mut gehabt, es herauszufinden.

 

 

© Katja Herrmann (Februar 2017)

 

 

 

 

 

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