Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Deja Vu

Ich weiß noch genau, wie es anfing: Du kamst durch die Tür und es war, als ob dich ein Leuchten begleitete. Ich hielt den Atem an. Meine Augen verfolgten jede deiner Bewegungen, mein Gefühl jede deiner Gesten. Mein Herz schlug gleich einem eisernen Pendel gegen meine Brust und ich getraute mich kaum zu atmen. An diesem Tag geschah etwas mit mir, das ich bis dahin nicht kannte. Ich war blutjung und wusste noch nicht viel vom Leben, aber eines wusste ich sofort: Du lässt mich nie wieder los.

Du wurdest mein liebster Freund. Wenn ich traurig war, hieltest du mich, sodass ich nicht fiel, wie ich ohne dich gefallen wäre. Wenn ich glücklich war, tranken wir auf das Glück. Wenn du traurig warst, hielt ich dich, so gut ich dich halten konnte. Und wenn du glücklich warst, tranken wir auf das Glück. Wir lachten und alberten herum und ich fühlte mich Zuhause bei dir. Ein Gefühl, dass ich bis dahin nicht kannte. Ich schwor zu Gott, dass ich dich niemals loslassen würde.

Leider weiß ich auch genau, wie es endete: Als die schlechten Zeiten die guten ablösten, entfernten wir uns voneinander. Du dich von mir und ich mich von dir. Wir wurden einander fremder und mein Traum von einem "für immer" wurde mehr und mehr zu einem traurigen Abbild vergangener Tage.

Ich verließ dich in einer warmen Sommernacht, total verzweifelt, unfähig, das Chaos in mir und die emotionale Enge zwischen uns noch länger zu ertragen. Und egal, was ich Jahre später auch tat – das verziehst du mir nie.

Vielleicht hätte ich dir damals sagen sollen, dass ich dich liebe. Wie verrückt liebe und dass es mich umbrachte, uns so verändert zu erleben. Dass ich keine Luft mehr bekam beim Gedanken an das, was aus uns geworden war, sodass ich weglief, wie Kinder weglaufen, die sich nicht anders zu helfen wissen.

Der Gedanke, dass wir das niemals in diesem Leben wieder hinbekommen, bringt mich um den Verstand..

 


(c) Katja Herrmann (2016)

 

 

 

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