Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Black Symphonie

 

Es war Nacht, als wir uns kennenlernten. Es war Nacht, als ich dich zum ersten Mal in deiner dunklen Welt besuchte und es war ebenfalls Nacht, als du mich von deiner Dunkelheit kosten ließest und meine Wirklichkeit mit einem Crescendo in sich zusammenbrach.

 

Ich spiele auf dem Klavier für dich... Die Töne, die ich anschlage, werden mit jedem Schluck von dem Wein, den du mir reichst, schwerer. The darkness in you... Deine Augen sind schwarz, deine Pupillen ebenfalls und deine Lippen schwarzrot. Als du zu singen anfängst, erstarre ich. Dich so nah und unter Ausschluss aller Öffentlichkeit gegenüber zu haben, ist etwas vollkommen anderes, als deiner Performance auf der Bühne zu folgen. Ich höre auf zu spielen und du hörst auf zu singen. Wir sehen uns an. Ich lege meine rechte Hand aufs Piano und du legst die deine in meine. Als du mich küsst, hört meine Welt auf sich zu drehen. Deine Lippen sind kalt und mich fröstelt. Die Berührung deiner Hände ist kraftvoll und bestimmt und alles, was sie danach erahnen lassen, macht mir Angst. Ich weiche zurück.

 

Zehn Jahre später spiele ich noch immer für dich, während deine Stimme, mal dunkel, mal hell, zur Musik erklingt. Meine Lippen schmerzen, meine Handgelenke sind von Narben übersäht und alles, was ich in Bezug auf dich will, ist weglaufen. Leider vermag ich das nicht. Vielleicht, weil ich – genau wie du - eine Kreatur der Nacht bin. Vielleicht aber auch, weil du zu sehr wie ich bist und mir von der ersten Sekunde an den Verstand raubst. Manchmal wünschte ich, ich könnte zaubern. Ich würde den Bann, der uns eint, lösen. Ich sagte dir das sogar.

 

Und du? Lachst mich aus. Jedes Mal.

 

 

© Katja Herrmann (Dezember 2016)

 

 

 

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