Katja Herrmann Autorin
Katja HerrmannAutorin

Dämonen

 

Sie kommen meistens nachts.

Kein Licht und keine Melodie

durchdringt das Tonlos ihres Seins.

Wie Schatten huschen sie umher

und schütteln ihr Gefieder.

 

Ihre Heimat ist das Dunkel:

Tränen, Streit, Versagen...

Ihr Hafen ist der Zweifel,

sind ungestellte Fragen.

Wie eine Plage gehen sie hernieder.

 

Fast so, als suchten sie ein Heim,

als wäre ich ihr Hort!

Verflucht, ihr Plagen, schwindet!

Ich rief` euch nie, ich schick` euch fort

und rief`euch niemals wieder!

 

Erinnerst du die Nacht nicht?, flüstern sie.

Nicht jene eine Nacht vor zwanzig Jahren?

Durchdringt es meine Stille.

Als wir dir Segen, Ausweg waren?

Und deine Gabe, Hexenkind?

 

Wie Schuppen fällt`s mir von den Augen:

Hab ich denn unbedacht in jener Nacht,

mein Herz verkauft und meine Seele?

Hab mit dem Teufel gar ich einen Pakt gemacht?

Mein Puls schlägt lauter als bestimmt.

 

Bin ich, genau wie Faustens einst und Dorian,

am Ende gleichermaßen aufgesessen,

dem, was mir meine Eitelkeit diktiert?

Ich hab geglaubt - und sei`s vermessen -

dass dieserzeit Mephisto ohne Trug sich nimmt,

 

was ihm gehört. So sei es denn:

 

Wie schade, dass ich heute erst davon erfahre!

Ich schwör`s, ich nutze meine Gabe

und koste jede Seite an ihr aus,

bis ich zu einer Hölle fahre,

die es – wie Gottes Himmelreich – nicht gibt.

 

Es wird sich zeigen, wer gewinnt!

 

 

© Katja Herrmann (Februar 2017)

 

 

 

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